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Konzeption der Kindertagesstätte Horst, Garbsen

„Wenn du mit anderen ein Schiff bauen willst, so beginne nicht, mit ihnen Holz zu sammeln,
sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer.“

Antoine de Saint-Exupéry

Kinder, die zu uns kommen, bringen unterschiedliche Gefühle, Bedürfnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Interessen und Erfahrungen aus ihrer Familie und ihrem sozialen Umfeld mit.
Unsere Aufgabe ist es, sich für das einzelne Kind Zeit zu nehmen und eine vertrauensvolle und sichere Beziehung aufzubauen. Mit dieser besonderen Aufmerksamkeit kann sich die emotionale Sicherheit des Kindes festigen.  Das Kind kann aus dieser gesicherten Position sein Tun mitgestalten und Erfahrungen sammeln, um aktiv am gemeinsamen Leben im Kindergarten teilzunehmen.
Dazu bieten wir im Kindergarten Freiräume, in denen die Kinder experimentieren können. Sie dürfen Fehler machen, sich erproben und eigene Erfahrungen sammeln. Ihnen wird Respekt und Wertschätzung von den Erzieherinnen entgegengebracht. Dadurch bekommen die Kinder die Möglichkeit, Neugierde auszuleben und Vertrauen zu erfahren, um mit der Zeit selbst tätig zu werden. Diese eigenen Erfahrungen machen die Kinder selbstständig und stark für jeden Tag.

  • „Erzähle es mir, und ich werde es vergessen.
  • Zeige es mir, und ich werde mich erinnern.
  • Lass es mich tun, und ich werde es verstehen.“
    Konfizius

Hierzu ein Beispiel aus der Praxis:
Anfang des Jahres kommt Paula, 6,3 Jahre mit einem Pflaster auf dem linken Auge in den Kindergarten. Paula erzählt uns im Morgenkreis den Grund dafür, und dass sie dieses Pflaster über längerer Zeit jeden Tag 6 Stunden lang tragen muss. Nach einiger Zeit fragt Emma, 5,9 Jahre, Paula, ob sie ihr am nächsten Tag auch einmal so ein Pflaster mitbringen könne. Dieses erzählen sie ihrer Erzieherin. Sie bejaht die Idee  und bietet ihnen ihre Unterstützung für den nächsten Tag an. Am nächsten Tag wartet Paula aufgeregt, dass Emma endlich in den Kindergarten kommt, damit sie ihr das Pflaster geben kann. Als Emma da ist, laufen beide zur Erzieherin und bitten sie um Hilfe beim Anbringen des Pflasters. Die 3 gehen gemeinsam zum Spiegel und überlegen, welches Auge abgeklebt wird und wer es aufklebt. Emma entscheidet sich, das Pflaster selbst auf das linke Auge zu kleben.
Paula und Emma spielen den ganzen Vormittag miteinander. In dieser Zeit überlegen sie zusammen mit der Erzieherin verschiedene Aktivitäten, z.B.: auf dem Sandkastenrand balancieren, von der Bank zu springen, ein Bild zu malen.
Erst nach dem Mittagessen nehmen beide das Pflaster wieder ab: Emma entfernt es gleich am Mittagstisch, während Paula, wie immer, in den Waschraum geht, um dabei alleine zu sein.

Die Kinder

  • konnten Ruhe erleben, indem sie den ganzen Vormittag Zeit bekommen haben, das Pflaster auszuprobieren
  • haben Respekt und Achtung durch die Erzieherin erfahren, da ihr Wunsch umgesetzt werden konnte
  • konnten Optimismus durch die Unterstützung der Erzieherin aufbauen
  • konnten ihre Neugierde befriedigen und ausleben, indem sie den ganzen Vormittag ein Augenpflaster tragen konnten
  • konnten unterschiedliche Gefühle erleben: z.B. Freude, dass sie schaffen, von der Bank zu springen und Angst überwinden, über den Balken zu balancieren
  • konnten ihre Erfahrungsräume erkunden und erweitern, indem sie mit dem abgeklebten Auge auf Entdeckungstour gegangen sind
  • haben Mitsprache erlebt durch die Entscheidungsfreiheit, wie lange das Pflaster auf dem Auge bleibt
  • haben Intimität erlebt, durch die Rückzugsmöglichkeit im Waschraum
  • konnten Bewegung durch das eingeschränkte Sichtfeld neu erleben
  • konnten Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten (z.B. springen, balancieren) erleben

Dieses ist nur eines von vielen Ereignissen, die die Kinder während eines Kindergartentages erleben können und zeigt, wie viele von den 16 Grundbedürfnissen, die jedes Kind hat, schon hier angesprochen und von den Erzieherinnen berücksichtigt werden.

03 Bild des Kindes 14-12-12

Grafik Grundbedürfnisse nach Armin Krenz