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Konzeption Krippe 1-2-3 Meyenfeld, Garbsen

Pädagogischer Ansatz

In der Krippe 1-2-3 Meyenfeld arbeiten wir angelehnt an den situationsorientierten Ansatz,  entwickelt von Dr. Armin Krenz.
Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist bekannt, dass beim Kind zunächst der Auf- und Ausbau der Ich-Kompetenz im Vordergrund steht. Hier geht es vor allem um das Verhältnis des Kindes zu sich selbst und um seine Möglichkeiten, sich mit sich sowie seinem unmittelbaren Umfeld auseinanderzusetzen, zu entdecken, zu erforschen und bedeutsame Erfahrungen zu machen. Dieser Ich-Kompetenz wird eine grundlegende Bedeutung beigemessen, die dem Kind ermöglicht, (Selbst-)Vertrauen zu sich und zu dem eigenen Handeln aufzubauen.
Die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes steht im Mittelpunkt unserer pädagogischen Arbeit, ebenso wie das Legen eines Grundsteines für ein sicheres Bindungsverhalten des Kindes.
In der Eingewöhnungszeit nehmen wir bewusst, achtsam und feinfühlig Kontakt zu dem Kind auf, indem wir das Kind wahrnehmen, indem wir mit Abstand zu ihm Blickkontakt aufnehmen und es leise und behutsam ansprechen. Anhand der Reaktion des Kindes erkennen wir, wann es bereit ist, weitere Beziehungserlebnisse von uns anzunehmen. Die Bedürfnisse und Interessen des Kindes, die wir im Erstgespräch mit den Eltern erfahren haben, nehmen wir zum Spielanlass. Hierdurch erfährt das Kind unser Interesse an seiner Person. Das Zuhören, Erfahrungen sammeln, Erlebnisse teilen und Hilfestellung anbieten, können eine Nähe vom Kind zum Erwachsenen entstehen lassen. Bindung kann sich aufbauen. Das Kind entscheidet jedoch selbst, wann und zu wem es eine Bindung eingehen möchte.

„Hilf mir, es selbst zu tun.
Zeige mir, wie es geht.
Tu es nicht für mich.
Ich kann und will es alleine tun.
Habe Geduld, meine Wege zu begreifen.
Sie sind vielleicht länger,
vielleicht brauche ich mehr Zeit,
weil ich mehrere Versuche machen will.
Mute mir Fehler und Anstrengung zu,
denn daraus kann ich lernen!“
(Maria Montessori)

Jedes Kind besitzt seine eigene persönliche Vorgeschichte und somit unterschiedliche Bedürfnisse, Interessen, Gefühle, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die weitestgehende Befriedigung der sechzehn seelischen Grundbedürfnisse durch mindestens eine verlässliche Bezugsperson ist Ausgangspunkt in unserem pädagogischen Alltag und dient der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Wir nehmen uns Zeit für jedes Kind, haben stets ein offenes Ohr und sind sind sensibel für dessen Gefühle. Das Kind kann zum Beispiel selbst entscheiden, wann es gewickelt werden möchte, was es spielt und wie viel es essen möchte.

Ein Beispiel aus der Praxis:
B. kommt morgens in die Krippe und braucht Zeit mit seiner Bezugserzieherin, damit er sich von seiner Mama verabschieden und lösen kann. Er möchte auf dem Schoß der Erzieherin sitzen und das Buch über den Körper anschauen. Das möchte das Kind jeden Morgen. B. zeigt mit dem Finger auf die unterschiedlichen Körperteile im Buch. Die Erzieherin benennt die Körperteile. B. geht in den Blickkontakt mit ihr und zeigt auf seine Nase. Das machen sie so lange, bis B. bereit ist, vom Schoß der Erzieherin aufzustehen und zu spielen. B. braucht die Zeit und das verlässlich wiederkehrende Ritual, um morgens in der Krippe anzukommen.

Welche Grundbedürfnisse werden in diesem Beispiel angesprochen:

Sicherheit erfahren-
Die Erzieherin nimmt sich jeden Tag verlässlich Zeit für B., sodass  er die Sicherheit hat, dass sie für ihn da ist, wenn er sie braucht.
Zeit erfahren-
Die Erzieherin nimmt sich  Zeit allein für B. und stillt sein Bedürfnis nach Nähe.
Vertrauen erleben-
B. erlebt, dass die Erzieherin jeden Tag verlässlich für ihn da ist und kann Vertrauen in die Situation aufbauen.
Respekt und Achtung-
Die Erzieherin nimmt den Wunsch nach einem immer wieder kehrenden Ritual ernst und gibt B. die Möglichkeit, dass er ruhig und behutsam in den Tag kommen
kann.
Verstanden werden-
Die Erzieherin versteht B. wirklich und gibt seinen Gefühlen Raum, indem sie sagt: „Wenn deine Mama geht, dann kannst du dich auf meinen Schoß setzen und wir lesen gemeinsam dein Buch!“

Diese Grundbedürfnisse müssen beim Kind weitestgehend befriedigt werden, damit der Mensch sich zu einer emotional- sozial stabilen Persönlichkeit entwickeln kann:

16 Grundbedürfnisse2

Die Eingewöhnungszeit - Trennung und Neuanfang

Die Eingewöhnungszeit lässt sich in drei unterschiedliche Phasen unterteilen, die Aufbauphase, die Stabilitätsphase und die Ablösephase.
Aufbauphase: 3-5 Tage
In der Aufbauphase begleitet eine Bindungsperson wie zum Beispiel ein Eltern- oder  Großelternteil das Kind täglich etwa ein bis zwei Stunden in die Krippe. Diese Phase dient dem gegenseitigen Kennenlernen der Erwachsenen. Die Bezugserzieherin und die Mutter/ der Vater unterstützen das Kind in der Eingewöhnung, wenn sie im guten Einverständnis stehen und sich Vertrauen unter den Erwachsenen aufbauen kann. Die Mutter und das Kind werden von der Bezugserzieherin begrüßt. Ihnen wird die Möglichkeit gegeben, sich einen Platz im Gruppenraum auszuwählen. Im Allgemeinen beobachtet das Kind vom Schoß der Mutter/ des Vaters, der sicheren Basis, das Gruppengeschehen, die Krippenkinder, die Erzieherin, das Spielmaterial und vieles mehr.
Ziel in dieser Phase ist, dass das Kind spürt „Ich bin nicht allein!“
Wir nehmen in dieser Zeit den ersten Kontakt zum Kind auf und bieten ihm ein Beziehungsangebot an, wie zum Beispiel das Zurollen eines Balles und gehen achtsam kurz in den Blickkontakt mit dem Kind.
Das Kind wird zu nichts gedrängt. Das Wickeln wird in der Aufbauphase von der begleitenden Bindungsperson übernommen. Wir nehmen  beobachtend und unterstützend teil.
Stabilitätsphase: 4-6 Wochen
In der Stabilitätsphase hat sich ein Begrüßungsritual von der Bezugserzieherin und dem Kind entwickelt. Das Kind nähert sich im Allgemeinen an die Bezugserzieherin und die Kinder der Gruppe an. Es lernt schrittweise den Tagesablauf, das Einnehmen der Mahlzeiten, das Wickeln sowie das Schlafen in der Krippe kennen. Die begleitende Bezugsperson übernimmt die Aufgaben alleine, dann im Beisein der Erzieherin und zum Ende der Stabilitätsphase findet ein Rollentausch statt und die Bezugserzieherin übernimmt die Aufgaben und die Mutter/ der Vater begleiten zuschauend die Tätigkeit. In dieser Phase verlässt die Bindungsperson für wenige Minuten den Gruppenraum, ist aber jeder Zeit für das Kind erreichbar. Die Eltern entwickeln mit unserer Hilfe ein kurzes Verabschiedungsritual, welches sich täglich wiederholt. Wenn sich das Kind von der Mutter/ dem Vater lösen kann, kurz weint und sich von der Erzieherin trösten lässt, kann sich der Zeitraum der Trennung stets langsam verlängern. Die Stabilitätsphase ist abgeschlossen, wenn das Kind die neue Bezugsperson als „sichere Basis“ akzeptiert.Ablösephase: etwa 5-7 Tage
Die Ablösephase ist die Phase des Abschiednehmens von dem Elternteil und dauert in der Regel eine Woche. Dieser Abschied sollte in der Regel mit dem gleichen Ritual ablaufen, um dem Kind Sicherheit zu geben. Das Kind lässt sich in dieser Phase von der Erzieherin trösten, es akzeptiert von ihr gewickelt zu werden, das Essen anzunehmen und wendet sich der Erzieherin zu, wenn es Geborgenheit und Schutz sucht. Es werden mit den Eltern klare und verlässliche Absprachen getroffen, die von allen Beteiligten unbedingt eingehalten werden müssen.
In jeder Eingewöhnung ist es notwendig, dass das Kind den Verlauf und das Tempo bestimmt. Wir bieten dem Kind Beziehungserlebnisse an und es entscheidet individuell, wann, mit wem und ob es eine Bindung eingehen möchte.

„Ein Kind, dass wir ermutigen, lernt Selbstvertrauen.
Ein Kind, dem wir mit Toleranz begegnen, lernt Offenheit.
Ein Kind, dass Aufrichtigkeit erlebt, lernt Achtung.
Ein Kind, dem wir Zuneigung schenken, lernt Freundschaft.
Ein Kind, dem wir Geborgenheit geben, lernt Vertrauen.
Ein Kind, dass geliebt und umarmt wird,
lernt zu lieben und zu umarmen
und die Liebe dieser Welt zu empfangen!“
(Autor unbekannt)

Kindergarten Garbsen Kind mit Teddy